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Radikale Transparenz: Der Turnaround eines "Wassermelonen-Projekts"
Executive Summary
Ein Projektstatus, der außen grün leuchtete, aber innen tiefrot war: 18 Wochen Verzug wurden bis zur Vertragsunterzeichnung verschwiegen. Als externer Projektmanager nutzte ich meinen "Joker"-Status für einen kulturellen Neustart. Durch radikale Offenheit, hartes Scope-Management und konsequente Planung wurde das verloren geglaubte Projektziel wieder erreichbar gemacht.
Die Ausgangslage: Die Illusion der grünen Ampel
Ich übernahm ein Projekt in einer prekären Phase: Es war frisch beauftragt, doch die Realität sah anders aus als die bunten Berichte. Das Projektteam hatte – aus Angst oder falschem Ehrgeiz – einen massiven Verzug von 18 Wochen unter den Teppich gekehrt. Der eigentliche Schock folgte prompt: Nur zwei Tage nach der Vertragsunterzeichnung "beichtete" das Team dem Kunden einen Verzug – allerdings gab man nur 12 Wochen zu, nicht die vollen 18. Das Vertrauen des Kunden war sofort zerstört, die Atmosphäre vergiftet. Das Projekt war eine klassische "Wassermelone": Außen grün gemeldet, innen rot verrottet.
Der Ansatz: Integrität als Basis
Meine erste Amtshandlung war die Verweigerung der Fortführung unter den alten Spielregeln. Ich machte intern klar: "Ich lüge den Kunden nicht an. Auf dieser Basis kann ich nicht arbeiten." Als neu hinzugeholter "Joker" nutzte ich meinen Vertrauensvorschuss. Ich positionierte mich nicht als Teil des Problems, sondern als unparteiischer Sanierer. Anstatt den Kunden zu beschwichtigen, konfrontierte ich ihn mit der vollen Wahrheit – nicht scheibchenweise (Salami-Taktik), sondern vollständig.
Die Maßnahme: Scope-Management statt Wunschdenken
Nachdem die Karten auf dem Tisch lagen, "brannte die Hütte" erwartungsgemäß. Doch dieses reinigende Gewitter war notwendig. Da die Zeit nicht einfach herbeigezaubert werden konnte, änderten wir die Strategie:
1. Radikale Priorisierung: Wir brachen das Projekt auf die absoluten "Must-Have"-Features herunter. Was ist kritisch für den Go-Live? Was ist "Nice-to-have"?
2. Hartes Tracking: Wir führten ein engmaschiges Monitoring ein, das keine Schönfärberei mehr zuließ.
3. Kundendruck nutzen: Ich nutzte die Dringlichkeit des Kunden, um schnelle Entscheidungen beim Abspecken des Funktionsumfangs zu erzwingen.
Das Ergebnis: Lieferung statt Lüge
Wir konnten den massiven initialen Verzug über die Laufzeit nicht vollständig aufholen – das wäre mathematisch unmöglich gewesen. Aber: Durch das Abspecken des Scopes (MVP-Ansatz) und die konsistente Planung gelang es uns, den Kern des Projekts erfolgreich zu liefern. Der Kunde wusste zu jedem Zeitpunkt genau, woran er war. Aus einem Projekt, das auf einer Lüge basierte, wurde eine Partnerschaft, die durch eine Krise ging und am Ende ein funktionierendes Produkt lieferte.